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Michael Helfer

»23. Dezember 1958, 8 Uhr. Am Bett: der Kinderarzt, meine Mutter, mein Vater. Im Bett: ich. Seit Tagen hatte ich Fieber, hohes Fieber. Im Kindergarten ging Scharlach um. Der Arzt bat meinen Vater nach draußen. »Er wird Weihnachten vielleicht nicht erleben.« Keine Worte für meine Ohren, aber…  Sanitäter kamen, brachten mich zum Krankenwagen, rasende Fahrt mit Martinshorn, Ohnmacht, fluchen über die geschlossene Bahnschranke – Aus! Irgendwann: Dunkelheit, Stille. Ich: im Bett. Wo war ich? Mein Bett feucht. Kann es sein, dass ein sechsjähriger Junge ins Bett macht? Wo war ich? Meine Gedanken gingen durcheinander. Bin ich im Himmel? Nein, denn im Himmel macht man nicht ins Bett! Also musste ich noch leben. Ich rief nach Mama und Papa. Ein anderer Junge, 1 Meter neben mir in einem anderen Bett, klingelte. Eine Schwester kam, sah mich, sprang freudig zu meinem Bett und gab mir einen Kuss. Vor dem Fenster der Kinderklinik am Durlacher Tor war ein lautes Feuerwerk. Die Welt schien mit der Schwester zu tanzen und zu feiern. Es war der Silvesterabend. Prost, neues Leben!« Michael Helfer