»Als ich als Norddeutscher, zwischen Hannover und Göttingen pendelnd, 1972 Karlsruhe auf der Deutschlandkarte suchte, sagte mir mein Bruder Ernst, die Stadt sei außerordentlich beliebt: Es gäbe keinen Verkehrsbericht, der keinen Stau am Karlsruher Dreieck meldete. Wohl deshalb sorgte die Stadtverwaltung der so genannten Fächerstadt dafür, dass sie mit zwei Exemplaren einer absolutistischen Via Triumphalis – von Ost nach West, von Norden nach Süden – durchschnitten wird und inzwischen mit einem blankgeputzten Marktplatz aufwartet, in dem ihr Wahrzeichen, die Pyramide, versinkt. Auf dem Foto stehe ich vor meinem ehemaligen Arbeitsplatz, vor dem Kollegium am Schloss, Bau II, auf dem Sahnestück der einstigen Sonnenstadt. Wie die drei anderen Bauten neben dem beispielhaft oberflächlich restaurierten Schloss steht das lichte Gebäude seit 2016 leer. Johann Peter Hebel, einst Bürger des barocken Karlsruhe, bemerkte schon 1807: Bauen heiße auch Zerstören, und er sagte auch: die Widersprüche blieben die Hoffnungen.« Jan Knopf